Alles außer Mikado

Alles außer Mikado
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Bericht vom Wochenende mit Jürgen Mette

20.-22.11.2015

Jürgen Mette, Jahrgang 1952, ist seit 35 Jahren verheiratet und hat drei erwachsene Söhne. Der Theologe bekleidete viele wichtige Ämter und Aufgaben: Vorsitzender des Stiftungsrates von Tabor, Leiter der Stiftung Marburger Medien oder Vorstand von „Willow Creek Deutschland“ und des Bibellesebundes zum Beispiel.

Mette berichtete an einem Vortrags-
abend in der Gemeinde und im Rahmen des Sonntagsgottesdienstes von seinen Erlebnissen und Erfahrungen.

„Ich war eine Rampensau“, sagt er heute von sich selbst. Dann die Diagnose Parkinson.
Bereits in der Kindheit begegnet ihm diese Zitterkrankheit durch einen erkrankten Besucher beim Sonntagskaffee im Elternhaus. „Bitte Herr, lass mich diese Krankheit nicht bekommen“, betete er damals. Seine ersten Anzeichen ignorierte er. Hinweise von anderen überspielte er. Doch dann erfolgte die Diagnose in der Neurologie in Gießen und die Bestätigung durch ein bekanntes Ärtze-Ehepaar. „Wir begleiten Sie durch diese Krankheit“, war ihr Zuspruch, gefolgt von dem Ansporn: „Jetzt machen Sie mal, was Sie seit Jahren anderen predigen!“

„Wenn mich mein Glaube nicht durch diese Krankheit trägt, gehe ich auf keine Kanzel mehr,“ so Mette damals. 

Ein großer Einschnitt war der Rückzug vom Chefposten der Stiftung Marburger Medien. Einerseits verband Mette damit den Kampf des Loslassens, andererseits erlebte er den Moment als Tag der Befreiung vom Druck der finanziellen Verantwortung.
Er schriebt sein Buch „Alles außer Mikado“, das es bis auf die Bestsellerlisten schafte und ihm in Fulda seine 249. Veranstaltung in 3 Jahren bescherte.

Zur Zeit geht es Jürgen Mette ganz gut. Drei Punkte führt er dazu aus:
– Die starken Medikamente, trotz immer höherer Dosierung und erheblichen Nebenwirkungen, zum Beispiel Schlaflosigkeit, und seine innere Einstellung haben dazu geführt, dass er so gut drauf ist.
– Humor ist wichtig. Mette liest eine Passage aus seinem Buch vor. Es geht um Disziplin und heißt: Ab Morgen! Schnell wird unter Beanspruchung der Lachmuskeln der Zuhörer deutlich: Selbstdisziplin gehört nicht zu seinen Stärken. Aber er nimmt´s mit Humor. Alles, worauf er keine Lust hat, schiebt er auf die Nebenwirkungen der Krankheit oder der Medikamente.
– Wichtigster Punkt für Mette ist sein innerer Friede mit Gott. „Heil sein ist wichtiger als geheilt sein.“

Jürgen Mette schämt sich seiner Krankheit nicht, spricht offen darüber und versteckt sich nicht. Er fällt auf in Alltagssituationen, wenn er die EC-Karte nicht aus der Geldbörse bekommt oder länger beim Überqueren der Straße braucht. Manch einer ist davon provoziert oder verärgert.

Jürgen Mette war ein perfekter Rethoriker in seinen Predigten, aber erreichte er die kaputten Menschen damit?
– Er hat das Gefühl bei Gott in einer Schule zu sein, in der er Dinge nur durch die Krankheit lernen und begreifen kann.
– Er dankt Gott für seine geistige Helligkeit und Kreativität, die ihn Gedichte und Bücher hervorbringen lässt.

„Ich kann daran glauben, dass ich trotz Parkinson die beste Zeit meines Lebens noch vor mir haben kann! Die letzten 6 Jahre waren die erfülltesten meines ganzen Lebens. Ich erkenne hinter allem Gottes Wirken und Wollen. Ich darf noch was lernen in der Segensschule Gottes.“

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